Die Perspektiven des Rautenstrauch-Joest-Museums und die Ausgestaltung der Museumsarbeit hängen maßgeblich an dem geplanten Neubau am Neumarkt. Zwischen Leonhard-Tietz- und Cäcilienstraße entsteht das "Kulturquartier", unter dessen Dach sich mehrere Kultureinrichtungen versammeln. Die Chronologie dokumentiert einen langen Weg, den dieses Projekt gehen musste.
Ausgangspunkt für den neuen Ausstellungsparcous sind Themen, die Menschen überall auf der Welt bewegen, denen sie aber je nach regionaler und kultureller Prägung auf eigene Weise begegnen. Die Präsentation betont die gleichberechtigte Existenz aller Kulturen dieser Welt und bezieht auch unsere Gesellschaft in die vergleichende Betrachtung ein. Ein Themenparcours, gegliedert in übergreifende Kapitel, bestimmt das Ausstellungsprinzip. Eine Broschüre, die auf Anfrage auch gerne verschickt wird, vermittelt Einblicke in das innovative Konzept für das neue Rautenstrauch-Joest-Museum.

Sozusagen als Vorschau werden speziell für den Neubau erworbene Großobjekte gezeigt, die 2006 von balinesischen Künstlern angefertigt wurden: Ein 4,5 m hoher, reich verzierter Verbrennungsturm, ein eindrucksvoller Sarkophag in Form eines weißen Stieres und ein kunstvoll verziertes Maskenensemble mit Kostümen vermitteln Ihnen Einblicke in die Kultur der Balinesen. Speziell für den Museumsneubau wurden die vor kurzem eingetroffenen Objekte mit Mitteln der Kölner Kulturstiftung der Kreissparkasse Köln im Jahre 2006 von balinesischen Künstlern angefertigt. Texttafeln, Fotos und Filme zeigen den kulturellen Kontext.
Am 4. November 2001 hat der Rat der Stadt Köln die Verwaltung mit dem Neubau des Rautenstrauch-Joest-Museums am südwestlich des Neumarktes gelegenen Josef-Haubrich-Hof beauftragt. Nach dem Abriss der Kunsthalle, des Kunstvereins und der VHS-Foren im Winter 2002 liefen die vorbereitenden Arbeiten zur Klärung des 6.000 m² umfassenden Bauareals. Mittlerweile ist das Gebäude nahezu fertig gestellt; der Umzug erster Teile der Verwaltung steht unmittelbar bevor.
Die offizielle Eröffnung ist für den 11. September 2009 geplant; am 12./13. September 2009 wird das Haus für das Publikum erstmalig geöffnet werden. Weiterführende Informationen finden Sie auch auf den Neubauseiten der Stadt Köln.
Das Konzept der Architekten sieht einen massiven, durch Lichtfugen unterteilten Baukörper im Zentrum des Baugrundstückes vor. Neben den Ausstellungen, Depots, Restaurierungswerkstätten, der Fachbibliothek und den Büroräumen des Rautenstrauch-Joest-Museums beherbergt das neue Haus auch die neue Kunsthalle, die Volkshochschule und den Museumsdienst; das Museum Schnütgen erhält erweiterte Ausstellungsmöglichkeiten, neue Depotflächen, moderne Restaurierungswerkstätten und Büros.
In enger Zusammenarbeit mit dem Karlsruher Büro für Ausstellungsgestaltung Unit E entwarf das WissenschaftlerInnenteam des Hauses im 2. Halbjahr 2000 ein innovatives Ausstellungskonzept für das neue Haus, das auf dem in zahlreichen großen und kleinen Sonderausstellungen in Köln erprobten Prinzip des Kulturvergleichs basiert: Aufgegriffen werden gesellschaftlich relevante Themen, die die Menschen überall auf der Welt bewegen, denen sie aber je nach ihrer regionalen und kulturellen Prägung auf jeweils eigene Weise begegnen. Bewußt verabschiedet sich das Kölner Völkerkundemuseum damit von dem in allen vergleichbaren Häusern in Deutschland un weit darüber hinaus in seinen Dauerausstellungen nach wie vor vorherrschenden Ausstellungsprinzip der Darstellung von geographischen Großräumen. Diese umfassen oft genug eine kaum überschaubare Anzahl von Ethnien und Volksgruppen in unterschiedlichen Regionen und Ländern - und kaum ein Museum verfügt über wirklich repräsentative Sammlungsbestände!
Das neue Rautenstrauch-Joest-Museum wird zudem keine wirkliche Dauerausstellungen mehr präsentieren. Stattdessen sollen so oft wie möglich einzelne Exponate, Teile von oder auch ganze Ausstellungseinheiten ausgetauscht, und etwa alle fünf Jahre soll ein kompletter Themenwechsel stattfinden. Der "permanente Wechsel" bietet im Lauf der Zeit die Möglichkeit der Präsentation eines Großteils des über 60.000 Objekte umfassenden eigenen Sammlungsbestandes sowie die Aufstellung von Schlüsselexponaten oder "Starstücken" in immer neuen Kontexten. Technische Voraussetzung ist eine mobile, auf Modulen basierende Ausstellungsarchitektur.
Ebenfalls im Rhythmus von etwa fünf Jahren wird es weiterhin große Sonderausstellungen des Hauses in den Räumen der neuen Kunsthalle geben, bei denen die Kooperation mit Partnermuseen und wissenschaftlichen Institutionen im In- und Ausland im Vordergrund steht. Ein kleinerer Sonderausstellungsraum steht schwerpunktmäßig für Fotoausstellungen zur Verfügung, bildet doch die historische ethnografische Fotografie seit jeher einen Sammlungs-, seit etlichen Jahren auch einen Forschungsschwerpunkt des Rautenstrauch-Joest-Museums. Ebenso wird die am Ubierring in den letzten Jahren erfolgreich begonnene Serie von Präsentationen junger Künstler aus außereuropäischen Ländern im kleinen Sonderausstellungsraum des neuen Hauses Fortsetzung finden, da sich gerade über das moderne Kunstschaffen aktuelle Befindlichkeiten und Entwicklungen in den betreffenden Regionen authentisch vermitteln lassen.
Hinzu kommt ein breites Veranstaltungsangebot des Rautenstrauch-Joest-Museums als Plattform und Begegnungsstätte für "fremde" Kulturen in Köln. Synergieeffekte werden sich sicherlich nicht nur in diesem Bereich ergeben - eine fruchtbare Zusammenarbeit aller Institutionen unter dem Dach des neuen Hauses ist auch im Hinblick auf Ausstellungsprojekte angedacht.
Wahrzeichen des neuen Museums am Josef-Haubrich-Hof wird das größte Exponat des Rautenstrauch-Joest-Museums sein, welches im hohen Foyer Aufstellung finden soll: ein 11 Meter langer, 5 Meter breiter und über 7 Meter hoher historischer Reisspeicher von der Insel Sulawesi. Mit seinem weit auskragenden geschwungenen Dach ist der ohne einen Nagel konstruierte Speicherbau ein besonders eindrucksvolles Zeugnis traditioneller Architektur und Zimmermannskunst der Sa´dan-Toraja, einer bedeutenden Ethnie des Vielvölkerstaates Indonesien. Der Pfahlbau, der die dreigeteilte Welt symbolisiert, spiegelt die traditionellen Kosmosvorstellungen seiner einstigen Besitzer, eines mächtigen Familienverbandes, dessen soziales und religiöses Zentrum er verkörperte.
Für die Verwirklichung seines neuen Ausstellungskonzeptes werden dem Rautenstrauch-Joest-Museum auf drei Ebenen in zwei Gebäuderiegeln annähernd 4.000 m² Ausstellungsfläche zur Verfügung stehen. Der erste thematische Zyklus soll unter dem Motto "Formen der Kommunikation" stehen, ist doch gemeinsamer Nenner aller Aktivitätsstränge des neuen Rautenstrauch-Joest-Museums der Mensch als Mitglied sozialer und kultureller Gemeinschaften, die mittels Kommunikation existieren und funktionieren. Die verschiedenen Facetten der menschlichen Kommunikation bieten Zugang zu einer breiten Themenvielfalt; gleichzeitig strukturieren sie die Ausstellung, indem sie unterschiedliche Abteilungen definieren.
Mit dem Stuttgarter "Labor für Architekturen und Szenografie - Atelierbrückner" entwickelt das WissenschaftlerInnenteam des Rautenstrauch-Joest-Museums die vorhandene Grundkonzeption weiter. Erste Ideen zur Ausstellungsdramaturgie, Präsentations- und Inszenierungsskizzen lassen ein Museumserlebnis völlig neuer Art erwarten! Das innovative Konzept zielt darauf ab, die Besucher zu aktivieren und zu involvieren; nicht als einmalige Konsumenten, sondern als immer wieder neu Beteiligte wollen wir sie an einem lebendigen Ort der Begegnung und des Austauschs ansprechen. Dabei soll das alle Menschen und Kulturen der Welt Verbindende im Zentrum des Ausstellungs- und Veranstaltungsangebots stehen, mit dem wir unseren Beitrag zum Abbau von Distanz und Vorurteilen gegenüber dem und den "Fremden" und zur Achtung von Lebensentwürfen anderer kultureller Gemeinschaften leisten wollen.
(von Dr. Jutta Engelhard, stv. Direktorin)